Zu wem fühle ich mich hingezogen? Warum entsteht bei manchen Menschen sofort ein sexuelles Interesse, während es bei anderen erst nach längerer Nähe wächst? Und welche Rolle spielen Geschlecht, Persönlichkeit oder Intelligenz dabei? Solche Fragen führen schnell zu Begriffen wie heterosexuell, bisexuell, demisexuell oder sapiosexuell.
Die eigene Sexualität lässt sich allerdings nicht immer mit einem einzigen Wort beschreiben. Verschiedene Formen von Anziehung können nebeneinander bestehen. Der folgende Test hilft dir dabei, dein eigenes Erleben etwas genauer einzuordnen.
Teste dich: Welche Sexualität hast du?
Der Selbsttest betrachtet drei unterschiedliche Bereiche: zu welchen Geschlechtern du dich hingezogen fühlst, wie sexuelle Anziehung bei dir entsteht und welche Eigenschaften dabei besonders wichtig sein können. Antworte möglichst nach deinem tatsächlichen Empfinden und nicht danach, was du glaubst, empfinden zu sollen. Es gibt dabei keine besseren oder schlechteren Antworten.
Selbsttest
Welche Sexualität habe ich?
Sexuelle Anziehung kann verschiedene Seiten haben: zu wem du dich hingezogen fühlst, wie Anziehung bei dir entsteht und was sie besonders auslöst. Dieser Test betrachtet diese drei Bereiche getrennt.
Dein Ergebnis
Orientierung nach Geschlecht
Wenn von sexueller Orientierung gesprochen wird, ist häufig zunächst die Frage gemeint, zu welchen Geschlechtern ein Mensch sexuelle Anziehung empfindet. Dabei gibt es nicht nur zwei Möglichkeiten. Auch Übergänge und individuelle Unterschiede sind völlig normal.
Heterosexuell
Als heterosexuell bezeichnen sich Menschen, deren sexuelle Anziehung sich überwiegend auf Personen eines anderen Geschlechts richtet. Ein Mann fühlt sich beispielsweise hauptsächlich zu Frauen hingezogen oder eine Frau hauptsächlich zu Männern.
Das Wort „überwiegend“ ist dabei wichtig. Die eigene Orientierung muss nicht bedeuten, dass im gesamten Leben niemals eine Person eines anderen Geschlechts interessant oder attraktiv wahrgenommen wird.
Homosexuell
Homosexualität bezeichnet sexuelle Anziehung überwiegend zu Menschen des eigenen Geschlechts. Männer verwenden dafür häufig die Bezeichnung schwul, Frauen den Begriff lesbisch.
Auch hier geht es nicht darum, anhand einzelner Gedanken oder Erfahrungen eine endgültige Kategorie festzulegen. Entscheidend ist eher, welches Muster sich in deiner Anziehung insgesamt zeigt.
Bisexuell
Bisexuelle Menschen können sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. Das bedeutet nicht, dass die Anziehung immer gleich verteilt sein muss.
Du kannst dich beispielsweise häufiger zu Frauen als zu Männern hingezogen fühlen und dich trotzdem als bisexuell verstehen. Ebenso kann sich die Stärke der Anziehung im Laufe des Lebens verändern.
Pansexuell
Bei Pansexualität steht das Geschlecht einer Person für die mögliche sexuelle Anziehung häufig weniger stark im Vordergrund. Ein Mensch kann grundsätzlich unabhängig davon interessant werden, welchem Geschlecht er sich zuordnet.
Bisexualität und Pansexualität überschneiden sich in ihrer Bedeutung teilweise. Manche Menschen empfinden „pansexuell“ als passend, wenn sie besonders betonen möchten, dass das Geschlecht für ihre Anziehung kaum entscheidend ist.
Stärke oder Muster sexueller Anziehung
Die Frage „Zu wem fühle ich mich hingezogen?“ ist nur ein Teil der Sexualität. Ebenso entscheidend kann sein, wie häufig sexuelle Anziehung überhaupt entsteht und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.
Hier befinden wir uns unter anderem im Bereich des asexuellen Spektrums.
Allosexuell
Allosexuell ist ein Sammelbegriff für Menschen, die grundsätzlich sexuelle Anziehung zu anderen Personen erleben. Dabei kann diese Anziehung auch entstehen, ohne dass bereits eine enge emotionale Beziehung vorhanden ist.
Viele Menschen haben den Begriff noch nie gehört, obwohl er das beschreibt, was gesellschaftlich häufig stillschweigend als selbstverständlich angenommen wird.
Asexuell
Asexuelle Menschen erleben wenig oder keine sexuelle Anziehung zu anderen Personen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie keine Beziehungen führen, sich nicht verlieben oder keine körperliche Nähe mögen.
Auch Libido und sexuelle Anziehung sind nicht dasselbe. Ein Mensch kann körperliches sexuelles Verlangen erleben, ohne dieses Verlangen auf eine bestimmte Person zu richten.
Demisexuell
Bei demisexuellen Menschen entsteht sexuelle Anziehung typischerweise erst, wenn bereits eine stärkere emotionale Verbindung zu einer Person vorhanden ist.
Damit ist mehr gemeint als die persönliche Entscheidung, mit Sex lieber zu warten. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die sexuelle Anziehung selbst ohne diese Bindung meist noch gar nicht entsteht.
Graysexuell
Graysexualität, manchmal auch Grau-Asexualität genannt, beschreibt einen Bereich zwischen Asexualität und häufiger auftretender sexueller Anziehung.
Sexuelle Anziehung kann beispielsweise nur sehr selten, unter bestimmten Bedingungen oder vergleichsweise schwach erlebt werden. Für manche Menschen beschreibt dieser Begriff ihr Erleben besser als eine eindeutige Zuordnung zu asexuell oder allosexuell.
Auslöser der Anziehung
Neben dem Geschlecht und der Häufigkeit sexueller Anziehung kann auch interessant sein, welche Eigenschaften eines Menschen für dich besonders anziehend wirken.
Begriffe wie sapiosexuell, androsexuell oder gynosexuell werden deshalb etwas anders verwendet als heterosexuell oder homosexuell. Sie beschreiben eher einen Schwerpunkt oder Auslöser von Anziehung.
Sapiosexuell
Als sapiosexuell bezeichnen sich Menschen, für die Intelligenz, geistige Tiefe oder die Art zu denken einen besonders starken Anteil an sexueller Anziehung haben.
Ein intensives Gespräch, Wortwitz, Neugier oder eine bestimmte Denkweise können dann reizvoller wirken als reine körperliche Attraktivität.
Der Begriff wird allerdings nicht von allen als eigenständige sexuelle Orientierung verstanden. Häufig ist es sinnvoller, ihn als Beschreibung eines besonders wichtigen Merkmals der eigenen Anziehung zu betrachten.
Androsexuell
Androsexuell beschreibt eine Anziehung zu Männern, Männlichkeit oder einem deutlich maskulinen Ausdruck. Der Begriff kann unabhängig davon verwendet werden, welchem Geschlecht sich die Person selbst zuordnet.
Damit unterscheidet er sich etwas von Begriffen wie heterosexuell oder homosexuell, bei denen das eigene Geschlecht Teil der Einordnung ist.
Gynosexuell
Gynosexuell beschreibt entsprechend eine Anziehung zu Frauen, Weiblichkeit oder femininem Ausdruck.
Auch hier steht weniger die Beziehung zwischen deinem eigenen Geschlecht und dem Geschlecht einer anderen Person im Mittelpunkt. Entscheidend ist vielmehr, dass Weiblichkeit oder feminine Ausstrahlung für deine Anziehung eine besondere Rolle spielen.
Weitere Unterschiede: Romantische Orientierung
Sexuelle und romantische Anziehung werden häufig miteinander gleichgesetzt. Sie können zusammen auftreten, müssen es aber nicht.
Romantische Orientierung beschreibt, zu welchen Menschen du romantische Gefühle entwickelst oder mit wem du dir eine Liebesbeziehung vorstellen kannst. Entsprechend gibt es Begriffe wie heteroromantisch, homoromantisch, biromantisch oder panromantisch.
Daneben gibt es Aromantik. Aromantische Menschen empfinden wenig oder keine romantische Anziehung. Das sagt wiederum nicht automatisch etwas darüber aus, ob sexuelle Anziehung vorhanden ist.
So kann sich beispielsweise jemand sexuell zu mehreren Geschlechtern hingezogen fühlen, romantische Gefühle aber überwiegend gegenüber einem bestimmten Geschlecht entwickeln.
Für viele Menschen stimmen sexuelle und romantische Orientierung weitgehend überein. Wenn das bei dir nicht der Fall ist, bedeutet das jedoch nicht, dass deine Gefühle widersprüchlich sind. Romantische Nähe und sexuelles Begehren sind unterschiedliche Formen von Anziehung.
Fetische, Kinks und sexuelle Präferenzen unterscheiden
Nicht alles, was uns sexuell interessiert oder erregt, ist automatisch eine sexuelle Orientierung. Hier lohnt sich eine klare Unterscheidung.
Eine sexuelle Präferenz beschreibt zunächst etwas, das du besonders attraktiv oder angenehm findest. Das können körperliche Eigenschaften ebenso sein wie bestimmte Situationen, Rollen oder Formen von Nähe.
Als Kink werden sexuelle Interessen bezeichnet, die von klassischen sexuellen Vorstellungen abweichen können. Dazu können beispielsweise bestimmte Rollenspiele oder Macht- und Dominanzdynamiken gehören.
Bei einem Fetisch wird ein bestimmtes Objekt, Körpermerkmal, Material oder eine bestimmte Situation besonders eng mit sexueller Erregung verbunden. Wie zentral dieser Reiz für die eigene Sexualität ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Eine Vorliebe beantwortet also eher die Frage „Was finde ich erregend?“, während sexuelle Orientierung vor allem beschreibt, „Zu wem fühle ich mich hingezogen?“

