23. September 2008 Verlassen werden und kämpfen Liebe Ines, durch meine Überheblichkeit und Unüberlegtheit Dir gegenüber habe ich alles, was mir soviel bedeutete, zerstört, habe sogar meine eigenen Illusionen kaputt gemacht. Meine Ines, warum? Warum habe ich Dir nie zugehört, Deine Hilfeschreie nie wahrgenommen? Warum war ich nur mit meinen eigenen Problemen und Gedanken so beschäftigt? Ich war wohl zu feige, Dir meine Probleme und Gefühle, die meine Seele stapelte, Dir gegenüber mitzuteilen. Dieses ist eine Schwäche, die von Dir aus gesehen wahrscheinlich zu "Typisch Mann" gehört. Vielleicht ist dieses ja auch so? Männer zeigen keine Schwäche, so jedenfalls ist "Mann". So bin aber auch ich groß geworden. Schwäche, was heißt eigentlich Schwäche? Bist Du schwach? Bin ich schwach? Ich weiß es nicht! Ist es schwach, uns beim Partner nicht durchsetzen zu können, und alles in uns hineinfressen? Ist es schwach, wenn wir unsere Gefühle, Sehnsüchte, Ängste dem geliebten Partner nicht mitteilen können? Ist es schwach keinen Schreianfall zu kriegen wenn der Partner meine Sorgen und Ängste nicht versteht? Ist es schwach, nicht richtig und ausgiebig mit dem Partner über die vorhandenen Probleme zu sprechen? Ist es Schwäche? Alles Schwäche? Ich weiß es nicht! Gibt es vielleicht nach einer so langen Zeit der Vertrautheit ein anderes Wort hierfür? Gedankenlosigkeit, Alltagsstress, Gewohnheit? Oder ist es vielmehr die Angst, sich noch mehr Stress aufzuladen? Ich jedenfalls war zu schwach oder zu feige mit Dir gemeinsam diese vorhandenen Probleme aufzuarbeiten. Jetzt, wo Du bereits viele Tage ausgezogen bist, und ich die Zeit habe, die ich mir einfach für Dich hätte nehmen sollen, ist es schon fast zu spät. Ich möchte Dir aber sagen, dass ich die Hoffnung für einen Neuanfang zurzeit noch nicht aufgebe. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich die Wünsche von Dir über Geborgenheit, Ehrlichkeit, Verständnis und viel liebevolle Zuneigung leider nicht so ganz wahrgenommen habe. Aber aus diesen Elementen hätte unsere Beziehung bestehen sollen. Aber es kam wieder diese "Schwäche". Ich wollte mit Dir zusammen ein "Neues Nest" in einer neuen Umgebung bauen. Meine Pläne machte ich hierfür wieder nur in meinem eigenen Kopf, ohne darüber mit Dir in irgendeiner Form zu sprechen. Da war Sie wieder, diese "Schwäche". Warum nur? Mann kann doch in einer Beziehung nicht alles allein in seinem Kopf klarmachen. Alles, alles. Dieses hat wohl auf Dauer das Vertrauen von Dir zu mir zerstört. Ich weiß nun, dass man nichts von seinem Stolz verliert, wenn man Gefühle zeigt und Schwäche dem geliebten Partner zugibt. Im Gegenteil, nur so kann der Partner die Persönlichkeit belassen, nur so kann er sein wie er ist, mit Gefühl und Ehrlichkeit. Es fällt mir immer noch schwer über Gefühle zu reden, selbst dieser Brief kostet Überwindung. Aber ich will lernen, lernen offen über Gefühle und Probleme zu sprechen, bzw. in diesem Moment zu schreiben. Ich würde mich freuen, wenn Du Deinerseits auch lernst über Deine Gefühle zu sprechen und etwas offener mir gegenüber zu werden. Sollte dies aber in unserer Beziehung nichts mehr werden, müssen wir beide für die Zukunft lernen, mit dem neuen Partner so umzugehen. Für mich ist jedoch unsere Beziehung so wichtig, dass ich jetzt an diesem Brief schon seit Stunden sitze und ein Wort nach dem anderem schreibe, ohne mit Dir zu reden, wie Du es so gerne hättest. Einen Liebesbrief, der mit „Liebe Ines“ beginnt, dabei würde ich den Brief gerne mit "Mein Schatz" beginnen. Denn Du bist mein größter Schatz seitdem wir uns auf dem Dorffest in ... das erstemal gesehen haben. Vieles, so unendlich Vieles, habe ich von Dir lernen können. Zärtlichkeit, dein teilweise verrückter Humor, Energie, Lebenslust, Hingabe, Geduld ,Lachen, nur eines nicht! Über unsere Sorgen, Gedanken, Probleme zu reden. Ich habe mir immer wieder vorgenommen nach der Arbeit am Abend mit Dir zu reden. Gleiches hast Du wahrscheinlich auch gehabt. Aber dann war da wieder dieser Alltag, man kommt nach Hause, gibt sich einen Kuss, jeder geht seinen Alltagsaufgaben nach, Glotze danach, und wieder ist der Abend weg. Mein Gott, dieser Alltag. Ich glaube für eine Liebe muss man viel tun, nichts daran scheint einfach zu sein. Lass uns bitte, auch wenn wir zurzeit getrennt leben, nicht aufgeben. Mag der Weg auch noch so schwierig sein, wenn wir zweifeln, haben wir bereits aufgegeben. Lass uns lernen den "Neuen Weg", wenn es ihn gibt, in kleinen Schritten zu gehen, und nicht in Tausendmeilenstiefeln durchs Leben zu rennen. Manchmal ist das Leben wie ein Schulfach, für das man pausenlos lernen muss. Gibt man auf, ist der Abschluss gefährdet. Mit diesem Brief möchte ich auch lernen, Dir solche wichtigen Worte zu sagen und nicht nur zu schreiben. Ich brauche Mut dazu, ich brauche Dich. Alleine lernen fällt schwer, ich möchte mit Dir zusammen lernen, und sollten wir es in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen, lass uns gemeinsam Nachhilfestunden nehmen. Denke an das gemeinsame, vielleicht auch zurzeit nur mein Ziel: Gemeinsame Zukunft. Aber alles dieses erscheint mir im Moment nur mein Bedürfnis zu sein, denn ich kenne Deine Gefühle und Gedanken im Moment nicht. Ich komme mir vor, als schlage ich ein Buch mit dem verheißungsvollen Titel "Ines" auf, aber alle Seiten sind leer. Selbst ein Inhaltsverzeichnis ist nicht zu finden. Ich gebe das Buch aber trotzdem nicht zurück und hoffe, dass eines Tages die Schrift sichtbar wird, und ich den Inhalt verstehen kann. Ich habe gedacht, dass eines Tages der Trennungsschmerz einfacher wird, aber in jeder ruhigen Minute falle ich in ein tiefes Loch, aus dem mich trotz meines Schreiens keiner holen kann. Vielleicht sollte ich vieles in meinem Leben ändern?! Ich bin mir aber zurzeit selber fremd und kann vieles nicht verstehen. Ich dachte immer, alles wäre ok! Ich habe nie was geahnt und habe mich wohlgefühlt! Dachte, wir hätten alles was wir brauchen! Die wichtigste Person in meinem Leben habe ich jetzt verloren. Ich kann nichts daran ändern, ich vermisse Dich nur so, wie wichtig Du mir bist und was Du mir bedeutest, kann ich leider nicht in Worten ausdrücken, denn diese sind noch nicht erfunden. Zurzeit ist jeder neue Tag kalt und einsam, was gäbe ich, Dich jetzt in meinen Armen zu halten. Ich möchte Dir Immer wieder sagen wie verdammt ich Dich liebe. Manchmal denke ich, ich sollte Dich einfach nicht mehr lieben, aber das könnte ich niemals. Du bist das Liebste was ich je kennen gelernt habe. Liebe Ines, was auch zurzeit mit uns geschieht, gebe niemals alle Hoffnungen und Träume auf, denke auch an die vielen schönen Augenblicke zurück und kämpfe für die, hoffentlich, schönen Ausblicke in die Zukunft. Ich möchte für Dich da sein, wenn es Dir nicht gut geht, um Deine Tränen wegzuküssen. Ich möchte derjenige sein, mit dem Du Dich über die schönen Sachen im Leben erfreuen kannst. Ich möchte einfach nur, dass es Dir gut geht und Du fröhlich und gesund bist. Dein Hartmut An alle die diesen Liebesbrief lesen: Tut Euch einen Gefallen, redet mit Eurem Partner, vor allem hört genau zu was sie sagen, nicht nur die Worte, sondern auch den Hintergrund. Sonst passiert es Euch wie mir, dass der Partner irgendwann auszieht, und Ihr alleine seid wie ich. ![]() |